Auf einen Blick
- Ureinwohner
- Taíno, ab ca. 600 n. Chr.
- Kolumbus
- Landung am 5. Dezember 1492
- Unabhängigkeit
- 27. Februar 1844 (von Haiti)
- Restauration
- 1863–1865 (von Spanien)
- Diktatur
- Rafael Trujillo, 1930–1961
- UNESCO-Welterbe
- Kolonialstadt Santo Domingo, seit 1990
Zeitleiste: Die wichtigsten Daten
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| ca. 600 n. Chr. | Die Taíno besiedeln Hispaniola |
| 5. Dezember 1492 | Kolumbus landet auf der Insel und nennt sie „La Española“ |
| 1493/94 | Gründung von La Isabela an der Nordküste, erste dauerhafte spanische Siedlung in Amerika |
| 1496/1498 | Bartolomé Kolumbus gründet Santo Domingo |
| 1510 | Bau des Alcázar de Colón |
| 1605 | „Devastaciones de Osorio“: Zwangsumsiedlung der Kolonisten aus Norden und Westen |
| 1795 | Frieden von Basel: Spanien tritt Santo Domingo an Frankreich ab |
| 1808/1809 | Schlacht von Palo Hincado, danach erneut spanische Herrschaft („España Boba“) |
| 1. Dezember 1821 | Kurzlebige Unabhängigkeit unter José Núñez de Cáceres |
| 1822–1844 | Haiti regiert die ganze Insel |
| 16. Juli 1838 | Gründung des Geheimbunds La Trinitaria durch Duarte, Sánchez und Mella |
| 27. Februar 1844 | Unabhängigkeit, ausgerufen an der Puerta del Conde – heute Nationalfeiertag |
| 1861 | Spanien annektiert das Land erneut |
| 16. August 1863 | „Grito de Capotillo“, Beginn des Restaurationskriegs |
| 1865 | Spanien zieht ab, die Republik ist wiederhergestellt |
| 1882–1899 | Diktatur von Ulises Heureaux |
| 1916–1924 | Erste US-Besetzung |
| 1930–1961 | Diktatur Rafael Trujillos |
| Oktober 1937 | Massaker an Haitianern im Grenzgebiet |
| 25. November 1960 | Ermordung der Schwestern Mirabal |
| 30. Mai 1961 | Trujillo wird erschossen |
| 1963 | Der gewählte Präsident Juan Bosch wird gestürzt |
| 1965 | Bürgerkrieg und zweite US-Intervention |
| 1966–1978 | Erste lange Regierungszeit von Joaquín Balaguer |
| ab 1978 | Demokratische Regierungswechsel |
| 1990 | Die Altstadt von Santo Domingo wird UNESCO-Welterbe |
| 2007 | Freihandelsabkommen DR-CAFTA tritt in Kraft |
| 2020 | Luis Abinader wird Präsident, 2024 wiedergewählt |
| 2024 | Neue Verfassung schreibt maximal zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten fest |
Die einzelnen Epochen erkläre ich in den folgenden Abschnitten.
Die Taíno: die ersten Bewohner
Ab etwa 600 n. Chr. besiedelten die Taíno die Insel. Als Kolumbus kam, war sie in fünf Häuptlingstümer gegliedert, die cacicazgos: Marién, Maguá, Maguana, Jaragua und Higüey. Die Kaziken Caonabo, Guarionex oder Cotubanamá sind in der Dominikanischen Republik bis heute bekannte Namen – Straßen, Parks und Nationalparks tragen sie.
Wie viele Menschen 1492 auf der Insel lebten, ist stark umstritten. Die Schätzungen reichen von wenigen Zehntausend bis zu 750.000. Sicher ist: Durch Gewalt, Zwangsarbeit und eingeschleppte Krankheiten brach die Bevölkerung innerhalb weniger Jahre zusammen. Für 1508 werden nur noch rund 60.000 Indigene genannt.
Ganz verschwunden ist das Erbe der Taíno nicht. Wörter wie hamaca (Hängematte), canoa, batata oder yuca stammen aus ihrer Sprache, das Fladenbrot Casabe und die Mamajuana gehen auf ihre Küche zurück. Felszeichnungen findest du etwa in den Höhlen von Los Haitises bei Samaná.
Kolumbus und die Kolonialzeit
Am 5. Dezember 1492 erreichte Kolumbus auf seiner ersten Reise die Insel und nannte sie La Española. Ende 1493 entstand an der Nordküste La Isabela, die erste dauerhafte spanische Siedlung in Amerika; ihre Reste sind heute ein Nationalpark in der Provinz Puerto Plata. Wenige Jahre später gründete sein Bruder Bartolomé Santo Domingo, das 1498 an seinen heutigen Platz verlegt wurde.
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Santo Domingo wurde zum Sitz der spanischen Macht in der Neuen Welt. Hier entstanden die erste Kathedrale, das erste Krankenhaus, das erste Zollhaus und die erste Universität Amerikas. Diese Kolonialstadt ist seit 1990 UNESCO-Welterbe und das wichtigste Ziel für Geschichtsinteressierte – mehr dazu unter Santo Domingo.
Mit der Eroberung Mexikos und Perus verlor die Insel an Bedeutung. Um Schmuggel zu unterbinden, ließ die Krone 1605 den Norden und Westen zwangsweise räumen. In die verlassenen Gebiete drangen Franzosen vor – der Ursprung der späteren Kolonie Saint-Domingue, aus der Haiti hervorging. 1795 trat Spanien auch den Ostteil an Frankreich ab.
Haitianische Herrschaft und Unabhängigkeit 1844
Nach einem kurzen französischen Intermezzo und erneuter, schwacher spanischer Herrschaft (der „España Boba“) erklärte José Núñez de Cáceres am 1. Dezember 1821 die Unabhängigkeit. Sie hielt nur wenige Wochen: Im Februar 1822 übernahm Haiti unter Präsident Boyer den Osten der Insel und regierte ihn 22 Jahre lang.
1838 gründeten Juan Pablo Duarte, Francisco del Rosario Sánchez und Matías Ramón Mella den Geheimbund La Trinitaria. Am 27. Februar 1844 wurde an der Puerta del Conde in Santo Domingo die Unabhängigkeit ausgerufen. Die drei gelten als Gründerväter, der 27. Februar ist Nationalfeiertag – und Höhepunkt des Karnevals.
Wichtig für das Verständnis des Landes: Die Dominikanische Republik erkämpfte ihre Unabhängigkeit nicht gegen Spanien, sondern gegen Haiti. Das prägt das nationale Selbstverständnis bis heute.
Annexion und Restaurationskrieg
Die junge Republik kam nicht zur Ruhe. Die Caudillos Pedro Santana und Buenaventura Báez wechselten sich an der Macht ab. 1861 ließ Santana das Land sogar wieder an Spanien anschließen.
Am 16. August 1863 begann mit dem „Grito de Capotillo“ bei Dajabón der Restaurationskrieg, eine zentrale Figur war Gregorio Luperón. 1865 hob Königin Isabella II. die Annexion auf, die spanischen Truppen zogen ab. Der 16. August ist seither Feiertag und zugleich der Tag, an dem neue Präsidenten ihr Amt antreten. Auch die heutige Form der Flagge stammt aus dieser Zeit – Details unter Fakten & Steckbrief.
US-Besetzung und Trujillo-Diktatur
Auf die Diktatur von Ulises Heureaux (1882–1899) folgten Instabilität und Schulden. 1916 besetzten die USA das Land. Im Osten leisteten bewaffnete Gruppen, die Gavilleros, jahrelang Widerstand. 1924 zogen die Truppen ab, die Kontrolle über die Zölle behielten die USA bis 1941.
1930 kam Rafael Leónidas Trujillo durch Putsch und manipulierte Wahlen an die Macht und regierte über drei Jahrzehnte mit eiserner Hand. Die Hauptstadt hieß ab 1936 „Ciudad Trujillo“, eine Geheimpolizei überwachte das Land. Je nach Schätzung kamen unter seiner Herrschaft 25.000 bis über 50.000 Menschen ums Leben.
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Zu den dunkelsten Kapiteln gehört das Massaker vom Oktober 1937, bei dem Truppen Trujillos im Grenzgebiet Tausende Haitianer töteten; die Opferzahlen sind bis heute umstritten. Am 25. November 1960 ließ das Regime die Schwestern Mirabal ermorden, drei bekannte Regimegegnerinnen. Ihr Todestag ist seit 1999 der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Am 30. Mai 1961 wurde Trujillo in einem Hinterhalt erschossen.
Bürgerkrieg, Balaguer und Demokratie
Der Weg zur Demokratie war holprig. Der 1962 gewählte Schriftsteller Juan Bosch wurde schon 1963 gestürzt. 1965 brach ein Bürgerkrieg aus, die USA intervenierten zum zweiten Mal mit zeitweise über 20.000 Soldaten, danach übernahm eine Friedenstruppe der Organisation Amerikanischer Staaten.
Danach prägte Joaquín Balaguer die Politik: von 1966 bis 1978 und erneut von 1986 bis 1996. Seine Amtszeiten stehen für große Infrastrukturprojekte, aber auch für politische Repression. Seit 1978 wechseln die Regierungen durch Wahlen.
Heute regiert Präsident Luis Abinader, seit 2020 im Amt und 2024 im ersten Wahlgang wiedergewählt. Die Verfassung von 2024 legt fest, dass ein Präsident höchstens zwei aufeinanderfolgende Amtszeiten regieren darf. Abinaders Amtszeit endet am 16. August 2028, er hat erklärt, nicht erneut anzutreten.
Das Verhältnis zu Haiti
Kein Thema ist in der Dominikanischen Republik so sensibel wie das Verhältnis zum Nachbarn. Beide Länder teilen sich eine Insel und eine rund 392 Kilometer lange Grenze, sind wirtschaftlich aber sehr ungleich: Die dominikanische Wirtschaft ist etwa zehnmal so groß.
Historisch belasten die haitianische Herrschaft von 1822 bis 1844 und das Massaker von 1937 die Beziehungen. Heute geht es vor allem um Migration. Laut der letzten amtlichen Erhebung von 2017 stammten knapp 500.000 Einwohner aus Haiti. Viele arbeiten in Landwirtschaft und Bau.
- Die Sicht der dominikanischen RegierungSie betont Souveränität, Grenzsicherheit und den Kampf gegen Schmuggel und Bandenkriminalität. Dazu gehören ein Grenzzaun und konsequente Abschiebungen – laut Migrationsbehörde wurden 2025 rund 380.000 Menschen ohne regulären Aufenthaltsstatus nach Haiti zurückgeführt.
- Die Sicht von KritikernMenschenrechtsorganisationen kritisieren vor allem ein Urteil des Verfassungsgerichts von 2013, nach dem in der Dominikanischen Republik geborene Kinder irregulärer Migranten nicht automatisch Staatsbürger sind – rückwirkend. Zehntausende wurden dadurch staatenlos. Ein Gesetz von 2014 sollte Abhilfe schaffen, wurde laut Kritikern aber nur begrenzt umgesetzt.
Haiti selbst steckt seit Jahren in einer schweren Krise mit Bandengewalt und Vertreibung; Wahlen sind für 2027 angesetzt. Als Besucher gilt: zuhören, nicht vorschnell urteilen. Aktuelle Hinweise zum Grenzgebiet findest du beim Auswärtigen Amt und unter Sicherheit.
Geschichte erleben: Orte zum Besuchen
- Zona Colonial, Santo DomingoKathedrale, Alcázar de Colón, Fortaleza Ozama und die Puerta del Conde, an der die Unabhängigkeit ausgerufen wurde.
- La Isabela, Provinz Puerto PlataReste der ersten spanischen Siedlung, heute Nationaler Historischer Park. Gut kombinierbar mit einem Aufenthalt in Puerto Plata.
- Los HaitisesHöhlen mit Felszeichnungen der Taíno.
- Karneval im FebruarDie Feiern rund um den 27. Februar verbinden Geschichte und Volkskultur – siehe Reisezeit Februar.






